Wie automatische externe Defibrillatoren funktionieren


Auszug aus Medical Tribune 35. Jahrgang Sonderausgabe 21. November 2000 RB

Defi-Gerät der Fa. Laerdal, Modell "Heartstart FR 2"

Schock fürs Leben

Wiesbaden – Schritt für Schritt erklärt der Defibrillator, wie er bedient werden will, analysiert den Herzrhythmus, empfiehlt die Schockabgabe. Zudem wiegt er nur noch rund zwei Kilo, wenngleich "AED" hier zu Lande den meisten noch ein Fremdwort ist.

Studien lassen keinen Zweifel: Jede Sekunde, die ein Defi früher zum Einsatz kommt, werden die Überlebenschancen der Patienten verbessert. Allen Bedenken zum Trotz stehen Notfallmediziner heute weltweit hinter so genannten Frühdefibrillationsprogrammen, die seit wenigen Wochen sogar von der American Heart Association empfohlen werden. Voraussetzung wäre allerdings: In Bahnhöfen, Postämtern, Banken, auf belebten Plätzen – überall, wo sich Menschen ansammeln, müssten laientaugliche Defibrillatoren deponiert werden.

Akkurate Anweisungen für Ungeübte

Alle AED, die bei uns im Handel sind, zeichnen sich durch besonders einfache, sprachgeführte Bedienung aus: Durch Knopfdruck wird der Defi aktiv und instruiert den Anwender genau, was er zu tun hat. "Elektroden am Brustkorb aufkleben" (Plazierung meist durch Skizze erläutert), "Analyse des Herzrhythmus starten", "Schock empfohlen" bzw. "Herz-Lungen-Wiederbelebung starten" ... gibt das Gerät seine Kommandos.

Resultiert die Herzrhythmusanalyse in der Empfehlung zum Schock, wird dieser bis zu dreimal hintereinander ausgeführt. Hat man keinen Erfolg, rät das Gerät eine Herz-Lungen-Wiederbelebung an, bevor die Rhythmusanalyse erneut startet. Hält der Computer einen Schock für nicht angemessen, wird der Helfer aufgefordert, über drei Minuten zu reanimieren, bevor eine neuerliche Rhythmusanalyse erfolgt.

Als "Halbautomaten" werden AED bezeichnet, weil ein Defibrillationsschock ggf. nicht automatisch abgegeben, sondern lediglich empfohlen wird. Der Anwender – ob Arzt oder Laie – bleibt also Herr des Geschehens, doch muss er der Indikationsstellung durch den Computer wohl oder übel vertrauen. Die wiederum schaffen alle Geräte mit hoher Präzision. So wird Kammerflimmern mit einer Sensitivität von meist 100% erkannt, für ventrikuläre Tachykardien beträgt diese je nach Gerät immerhin noch 80% bis 95%. Und auch wenn’s kein Fall für den Defi ist, liegen die Geräte mit ihrer Empfehlung praktisch zu 100% richtig.

Alles tipptopp dokumentiert

Alle Frühdefibrillatoren dokumentieren die relevanten Ereignisse bei einer Reanimation einschließlich des Herzrhythmus, gegen Mehrpreis wird sogar das gesprochene Wort der Helfer bis zu 15 Minuten aufgezeichnet und ermöglicht eine nachträgliche kritische Überprüfung der Maßnahmen. Dass Laien AED anwenden dürfen, ist im Rahmen der Nothilfe (Paragraph 34 StGB/Rechtfertigen des Notstandes) geregelt. Der viel diskutierte Verstoß gegen den Arztvorbehalt ist nicht gegeben, ebenso wenig wie Rechtswidrigkeit des Eingriffs oder Strafbarkeit des korrekt durchgeführten Eingriffs. Eine zivilrechtliche Haftung scheidet ebenfalls aus, weil der Eingriff in die körperliche Integrität des Patienten (Körperverletzung) nicht rechtswidrig ist. Rechtens ist die Anwendung von halbautomatischen Defibrillatoren durch Laien aber nur solange, wie keine Person mit erweiterter Ausbildung zur Verfügung steht.

Nicht erspart bleibt potenziellen Lebensrettern der Nachweis, dass sie in die Kunst der Defibrillation mit Erfolg eingewiesen wurden und Maßnahmen der Basis-Reanimation beherrschen. Die Unterweisung muss obendrein in regelmäßigen, maximal zweijährigen Abständen wiederholt werden.

Selbst wenn durch Staat, Gesellschaft oder die Initiative privater Einrichtungen entsprechende Mittel für die Gerätebeschaffung bereitgestellt würden, bleibt die Frage offen, ob sich Laien in ausreichender Zahl zur Absolvierung der Kurse motivieren lassen. Das Beispiel USA, wo jüngst sogar 1000 Streifenwagen in Miami mit AED’s ausgestattet wurden, lässt allerdings auch hier zu Lande hoffen, so Dr. T. TRÜBENBACH, Bühl, Leitender Notarzt und Verfechter der Frühdefibrillation, gegenüber Medical Tribune. Allerdings ist es in den Vereinigten Staaten auch Laien bereits nach zweistündiger Einweisung gestattet, einen AED zu bedienen.
Quelle: Auszug aus Medical Tribune 35. Jahrgang Sonderausgabe 21. November 2000 RB

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