Die Jahrhundertflut 2002


Zurück von der Hochwasserfront
Helfer des DRK-Kreisverbandes Gelnhausen leiteten vier Tage Notunterkunft in Dresden

Erschöpft, aber zufrieden mit sich und ihrer Arbeit: Die heimischen DRK-Helfer berichteten von ihrem Einsatz in Dresden. Bild: Klumb MAIN-KINZIG (dk). „Das war eine gigantische Erfahrung“: Erschöpft und ziemlich Müde kehrten am Donnerstag in den Abendstunden zwölf Helfer des DRK-Kreisverbandes Gelnhausen von einem viertägigen Einsatz an der „Hochwasserfront“ in Dresden ins Kinzigtal zurück. Unter der Leitung des DRK-Beauftragten Martin Ludwig und des Rettungsdienstleiters Walter Hartwig betreuten die Retter aus dem Altkreis fast 300 Menschen in einer Notunterkunft, die nach der Evakuierung im 105. Gymnasium Klotzsche vom Dresdner Katastrophenstab eingerichtet worden war.

„Eine völlig neue Erfahrung“, so reflektierten Ludwig und Hartwig die Ereignisse der vergangenen Tage. Was sonst nur immer während übungen einstudiert wurde, musste nun in die Tat umgesetzt werden. „Daran werden wir noch bis ins hohe Alter denken“, meinen die beiden Retter. „Im Sommer war ich noch in Dresden und besuchte die historischen Stätten“, erzählte Martin. „Ich erkannte die Stadt nicht mehr,“ so der Pädagoge am Grimmelshausen-Gymnasium.

Am vergangenen Sonntag brachen Ludwig, Hartwig, Oskar Bötcher, Gerd Neuhausen, Uwe Baszc, Erwin Schneider, Frank Stengel, Stefan Scherpf, Joachim Götz, Marcus Marx, Christof Hoffmann und Steven Richter mit vier DRK-Fahrzeugen auf Bitten des DRK Hessen in Richtung Osten auf. Die eigens in Rothenbergen für solche Einsätze stehenden Wagen des Katastrophenschutzes mussten zum Leidwesen der Helfer zu Hause bleiben. „Da ist das Genehmigungsverfahren zu kompliziert und langwierig“, beklagten Ludwig und Hartwig.

In Dresden angekommen, ging es gleich zum 105. Gymnasium, der größten Unterkunft der Stadt. Hier nahmen die Helfer aus dem Kinzigtal zusammen mit sechs Kollegen aus Bad Hersfeld gleich ihren Dienst auf, der sie bis Mittwoch in Atem hielt. Die evakuierten Menschen mussten registriert, mit Kleidung, Hygieneartikeln und Wäsche ausgestattet werden. „Viele hatten nur eine kleine Tasche dabei.“

Besondere Herausforderungen stellte das Klientel an die DRK-Helfer. Die meist ältere Menschen sowie Familien aus sozialschwachen Verhältnissen, darunter eine Mutter mit elf Kindern, brauchten eine besondere Zuwendung. Ludwig: „Hier leisteten die Jugendlichen der Schule, der Rektor und das Kollegium Vorbildliches.“

Die Schüler organisierten ein Unterhaltungsprogramm, versorgten die Alten mit Essen und standen auch Nachts den Evakuierten zu Seite. „Eine echte Hilfe für uns“, fügt Hartwig hinzu, der von einem 13-Stunden-Tag für seine Kollegen berichtete. Hilfe kam von überall. Menschen brachten vom Nutella fürs Frühstück bis zum Bett alles vorbei. Die Gesamtverpflegung kam von einer Zentralküche, die vom DRK Fulda betrieben wurde.

Auch außerhalb der Unterkunft konnten die Helfer aus dem Kinzigtal den Menschen helfen. Hier kam ihnen der Rettungswagen zu gute, den Ludwig und Hartwig mitgenommen hatten. Zu allen möglichen Notfällen wurden die Gelnhäuser gerufen. Ein Mediziner aus der Nachbarschaft fungierte als Notarzt.

Mit dem Gefühl, alles für die Menschen getan zu haben, sind die Helfer nun zurück. „Einige Senioren wollten die Unterkunft wegen der guten Betreuung und Verpflegung nicht verlassen“, resümiert Ludwig.

Dieser hat sich auch gleich dafür eingesetzt, dass das 105. Gymnasium und das GGG eine Partnerschaft gründen. Direktor Heiner Kauck habe dem schon zugestimmt. Auch der DRK-Kreisverband will Kontakt zu der Schule halten, denn der Einsatz der Schüler und Lehrer hat begeistert. (Auszug aus "Gelnhäuser Tageblatt" 24.08.2002)


Mit Jugendlichen die Flut-Opfer in Dresden versorgt
Helfer des DRK Gelnhausen aus Dresden zurück

Die Helfer: Oskar Böttcher, Gerd Neuhausen, Uwe Baszc, Erwin Schneider, Frank Stengel, Stefan Scherpf, Joachim Götz, Marcus Marx, Martin Ludwig, Steven Richter, Christof Hoffmann, Walter Hartwig. (Foto: Bandar)Gelnhausen (mib). „Da werden wir uns noch in 40 Jahren dran erinnern“, sagen die 12 Männer in Uniform und umarmen sich zum Abschied in Rothenbergen. Von Sonntag bis gestern Abend waren die Mitglieder des Roten Kreuzes, Kreisverband Gelnhausen, in Dresden,halfen den Opfern der Flutkatastrophe. Mitten in der Stadt kümmerten sie sich in einer Notunterkunft in einem Gymnasium um Menschen, die durch die Wassermassen alles verloren hatten. Leiter war Martin Ludwig, Rot-Kreuz-Beauftragter und Lehrer am Grimmelshausen-Gymnasium. Um die Organisation kümmerte sich Rettungsdienstleiter Walter Hartwig.

Um 4 Uhr am Sonntagmorgen machten sich die Helfer aus dem Main-Kinzig-Kreis auf den Weg in das Katastrophengebiet. Dabei hatten sie einen Rettungswagen, ein Kommandofahrzeug und zwei Mannschaftswagen. „Wir wussten überhaupt nicht, was uns erwartet“, sagt Hartwig. Sicherheitshalber hatten sie alles eingepackt, was sie brauchten, um sich selbst versorgen zu können, vom Stromaggregat bis zur kompletten Verpflegung. Um 10 Uhr am Sonntag kamen sie in Dresden an, ein Motorradlotse führte sie ins Basislager, um das sie sich in den kommenden Tagen zu kümmern hatten. Das 105. Gymnasium in Dresden ist F eine Notunterkunft für 300 Opfer der Flutkatastrophe. Die Rot-Kreuzler registrierten die Menschen, versorgten sie mit Kleidung und Hygieneartikeln und kümmerten sich um die gesamte Organisation. „Es kamen dort Leute hin, die hatten gar nichts mehr, nicht mal eine Zahnbürste dabei“, sagt Ludwig. Manche Leute bleiben nur kurz, kommen dann bei Verwandten unter, andere sind völlig auf sich gestellt. „Besonders alte und sozial schwache Leute hatten keinen, der sie abgeholt hat“, sagt Ludwig.

Der Direktor des Gymnasiums steht den Helfern mit seiner Schulgemeinde zur Seite. Schüler aller Klassen arbeiten rundum die Uhr, organisieren sich selbst in Schichten, helfen wo sie können. „Das hat uns unheimlich beeindruckt, die Jugendlichen sind für uns die eigentlichen Helden“, sind sich Hartwig und Ludwig einig. Die Kinder bringen den alten Leuten das Essen ans Bett, unterhalten sich stundenlang mit ihnen, organisieren ein Unterhaltungs-Programm mit Tanz- und Theatervorführungen. Auch die restliche Bevölkerung tut, was sie kann: „Es verging keine Stunde, wo nicht jemand vor der Tür stand und etwas vorbeibrachte„, erinnert sich Hartwig. Leute holen die dreckige Wäsche ab und bringen sie am nächsten Morgen sauber zurück. An einem Abend gibt es draußen eine Grillparty, weil ein Metzger Fleisch spendet. „Das Engagement und der Zusammenhalt der Leute war unbeschreiblich“, sagen die Helfer. Obwohl das Chaos regiert, klappt fast alles reibungslos. Am Mittwoch hat sich die Situation so weit beruhigt, dass das Lager aufgelöst wird, die meisten Leute in ihre Wohnungen zurück können. Eines war den DRK'lern wichtig: „Wir haben die Leute begleitet und wollten wissen, wo sie hinkommen.“ Der Kontakt zu der Schule soll nicht abbrechen, eine Partnerschaft zwischen dem 105. Gvmnasium in Dresden und dem GGG Gelnhausen ist geplant. (Auszug aus "Gelnhäuser Neue Zeitung" 23.08.2002)


Hochwasserkatastrophe Dresden
12 Helfer des DRK waren zum Hochwassereinsatz in Dresden

Die Helfer erhalten ein DankeschönBirsteiner und Brachttaler DRK Helfer organisierten mit 5 DRK Kameraden aus Rothenbergen die größte Notunterkunft Dresdens.

Nach Alarmierung durch den DRK Landesverband am 16.08.2002 erteilte Heiner Kauck als Vorsitzender des DRK Gelnhausen den Auftrag an Manfred Scherpf (DRK Brachttal) und den DRK Beauftragten Martin Ludwig (DRK Rothenbergen) eine Betreuungsgruppe zum Einsatz für Dresden aufzustellen. Zum Führer der Einheit wurde Ludwig bestimmt. 7 Helfer aus Birstein und Brachttal sowie 5 Helfer aus Rothenbergen machten sich unverzüglich mit 4 DRK Fahrzeugen am frühen Sonntag gegen 3 Uhr auf den Weg nach Sachsen. Mit dabei waren DRK Beauftragter M. Ludwig, Rettungsdienstleiter Walter Hartwig, Oskar Böttcher, Gerd Neuhausen, Uwe Bascz, Erwin Schneider, Frank Stengel, Stefan Scherpf, Joachim Götz, Markus Marx, Christof Hoffmann und Steven Richter.

In Dresden erhielt man von der Einsatzleitung des DRK Hessen den Einsatzauftrag die größte Notunterkunft für Betroffenen im 105.  Gymnasium Ortsteil Klotzsche zu betreiben. Bis zu 360 Betroffene wurden in dieser Unterkunft betreut, mit dem Nötigsten versorgt und verpflegt. Zum Teil hatten sie durch die Gewalt des Hochwassers alles verloren oder waren von Strom und Wassernetz abgeschnitten. Viele Einzelschicksale wurden den Helfern bekannt die an 16 Stunden Arbeitstagen eine harte Woche verbrachten. Zusätzlich zur Betreuung und Versorgung wurde ein Unterhaltungsprogramm auf die Beine gestellt und für das Gymnasium und die benachbarte Bevölkerung die rettungsdienstliche Versorgung mit einem eigens mitgebrachten Rettungswagen sichergestellt.

Besonders lobend waren die Worte bei der Verabschiedung am 22. Oktober, hatte man doch gezeigt, dass jahrelanges Training sich auszahlt. Besonders danken möchten die Helfer der Dresdner Bevölkerung die unermüdlich hilfsbereit bei der harten Arbeit zu Seite stand, dem Kollegium der Schule die mit ihrem Direktor Großartiges geleistet hat, aber ganz besonders den Schülerinnen und Schülern der Klassen 9-12 die täglich mit Organisationstalent, netten Worten und unbelasteter Nächstenliebe den großteils alten Menschen jederzeit zur Seite standen. Diese Eindrücke werden die DRK Helfer nie vergessen. (Auszug aus "Die Regionale" 12.09.2002)

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