Geschichte der Ortsvereinigung Vogelsberg


Das Einzugsgebiet der OV erstreckt sich im Wesentlichen auf das Gebiet der Gemeinden Birstein und Brachttal.

 

1931 1981 [aus der Festschrift zum 50-jährigen Jubiläum]

50 Jahre Deutsches Rotes Kreuz in Birstein und im Vogelsberg.

Henry DunantAbb.: Henry Dunant Gründer des Roten Kreuzes

Den Verwundeten und Verletzten zu helfen ist dem einzelnen eine Ehre, der Gesamtheit aber eine Verpflichtung Bereits vor über 100 Jahren begann der große Werdegang des Roten Kreuzes in der Welt. Henri Dunant hat auf dem Schlachtfeld von Solferino gehandelt, nicht um Politik zu machen, nicht um eine weltanschauliche Bewegung auszulösen; er hat einfach zugegriffen, weil er Menschen leiden sah und weil er nicht zusehen konnte, daß inmitten der Waffen die Menschlichkeit schweigen sollte. Mit Henri Dunant wurde der Gedanke des organisierten Helfens geboren; und bereits in den Kriegen zwischen Preußen und Dänemark im Jahre 1864, zwei Jahre später im Krieg zwischen Preußen und Österreich bestand die Organisation mit dem "Roten Kreuz" auf weißem Grund ihre erste Bewährungsprobe.

Verhältnismäßig spät, aber nicht zu spät für die Hilfe am Nächsten, wurde das Rote Kreuz in Birstein gegründet. Auf Anregung von Landrat Delius kam im Jahre 1931 Oberinspektor Ferger vom Landratsamt Gelnhausen nach Birstein, um über die Aufgaben und den Sinn des Provinzialvereins vom Roten Kreuz für die Provinz Hessen-Nassau zu sprechen. Unter der Versammlungsleitung von Bürgermeister Einschütz hatten sich Bürger aus Birstein und Umgebung zusammengefunden, die bereit waren, aktiv in der neuen Sanitätskolonne Birstein mitzuarbeiten. Zu diesen Gründern zählten neben Bürgermeister Einschütz: Heinrich Stühler, Heinrich Röth, Heinrich Bien, August Wittlich, Karl Alt, Friedrich Schneider, Wilhelm Kauck, Bernhard Geist, Heinrich Koch aus Birstein; Heinrich Simon, Heinrich Kauck aus Untersotzbach; Wilhelm Neidhardt, Christian Ehresmann, Christian Eurich, Otto Jung aus Obersotzbach und Heinrich Reifschneider, August Henkel, Heinrich Jung und Heinrich Herchenröder aus Oberreichenbach.

Als 1. Vorsitzender wurde Bürgermeister Einschütz und als Schriftführer und Kassenwart August Wittlich gewählt. Als Kolonnenarzt stellte sich Dr. Berger zur Verfügung.

1932 wurde nach einem Besuch eines Zugführer-Lehrgangs Heinrich Stühler zum Kolonnenführer gewählt. Nach Wegzug von Dr. Berger nach Fulda übernahm Dr. Stribny die ärztliche Betreuung der Kolonne. Im Jahre 1933 war die Mitgliederzahl bereits auf 37 gestiegen. 1936 vollzog sich wieder ein Wechsel in der Stelle des Kolonnenarztes: Dr. Stribny wurde zur Wehrmacht einberufen; sein Nachfolger wurde Dr. Degenhardt. Zahlreiche Erste-Hilfe-Kurse wurden während dieser Zeit in verschiedenen Gemeinden durchgeführt. Im Jahre 1937 kam es durch ein Reichsgesetz über das DRK zu einer einschneidenden Organisationsänderung; die Kolonnen wurden in Züge überführt; mehrere Züge bildeten eine Bereitschaft. So bildeten die Züge Birstein, Wächtersbach, Bad Orb und Bieber die Bereitschaft 2 Gelnhausen mit dem Sitz in Birstein. Bereitschaftsführer wurde Dr. Degenhardt und dessen Stellvertreter Werner Stoetzel.

Im 2. Weltkrieg wurden fast alle Mitglieder einberufen. Auf allen Kriegsschauplätzen haben Mitglieder des Roten Kreuzes, die als Sanitäter eingesetzt waren, unendlich viel geleistet und oft unter Einsatz ihres Lebens den Verwundeten geholfen. So hat der 2. Weltkrieg unter den Sanitätern viele Opfer gefordert; auch von unserer Bereitschaft kehrte ein Teil der Kameraden nicht wieder zurück.

Als der Zusammenbruch 1945 kam, stand die Bereitschaft vor einem Nichts. Doch der Rot-Kreuz-Gedanke lebte weiter. Anlass hierzu gaben das Elend und die Not der Heimatvertriebenen. So hat Frau Heraeus aus Hanau, die nach Birstein evakuiert war, in Zusammenarbeit mit I. D. Prinzessin Sophie v. Isenburg einen Suchdienst für Vermisste eingerichtet. Dies war ein neuer Anfand aktiver Rot-Kreuz-Arbeit in Birstein. Viel Mühe erforderte während dieser Zeit die Betreuung der Vertriebenen. Nicht vergessen werden soll die amerikanische Kleider- und Lebensmittelspende, die manchem Hilfesuchenden und Kranken Freude und neuen Lebensmut brachte.

JRKAbb.: 1948 Anfang des Jugendrotkreuzes

In dieser Zeit fällt das Wiedererstehen der männlichen und weiblichen Bereitschaft und des Ortsvereins. 1948 gründete Frau Heraeus das Jugendrotkreuz mit einer ersten Gruppe in der Birsteiner Mittelschule. 1952 betrug die Stärke der männlichen Bereitschaft 17 Helfer. Es war ein Verdienst von Bereitschaftsführer Stühler, dass diese kleine Gruppe in der schweren Zeit zusammenhielt und zur allgemeinen Zufriedenheit den Sanitätsdienst im oberen Vogelsberg aufrecht erhalten konnte.

Seit 1952 konnte ein behelfsmäßiger Krankenwagen und seit 1954 ein neuer Krankenwagen in Birstein stationiert werden. Fahrer des Wagens wurde Fritz Volz, der seit dieser Zeit den verantwortungsvollen Dienst zur Zufriedenheit aller versieht.

Bis 1954 war Dr. Nelle Bereitschaftsarzt; danach übernahm Dr. Müller diesen Aufgabenbereich. Die Mitgliederzahl stieg zum Ende des Jahres 1956 auf 29 Helfer und 16 Helferinnen.

1961 erhielt die Bereitschaft vom DRK-Kreisverband Gelnhausen den Auftrag, Helfer für einen Zug der überörtlichen Zivilschutz-Bereitschaft abzustellen. Damit verbunden war eine verbesserte Ausstattung des Roten Kreuzes: Drei Großraumkrankenwagen mit verschiedenen Sanitätsgeräten (Pressluftatmer, Sauerstoffbehandlungsgerät, Wiederbelebungsgerät, Schockbekämpfungssatz u. a.) wurden dem DRK zugewiesen, um bei allen Katastrophenfällen schnell und wirkungsvoll Hilfe zu bringen.

In einer großen Werbeveranstaltung im Jahre 1965 zeigte das DRK zusammen mit den Feuerwehren, welche Aufgaben sie im Dienste am Nächsten erfüllen. Über 2000 Zuschauer konnten sich vom guten Ausbildungsstand der beiden Hilfsorganisationen überzeugen.

Ehrung für langjährige MitgliedschaftAbb.: 1966 Kreisbereitschaftsführer Wieger ehrt Bereitschaftsführerin Anne Seipel, Christian Ehresmann und Ekkehard Rolofs für langjährige Mitgliedschaft

In den folgenden Jahren bemühte sich die Bereitschaft intensiv um Werbung neuer Mitglieder. In jedem Erste-Hilfe-Kursus wurde auf die Bedeutung einer gut ausgebauten Sanitätsorganistion hingewiesen. Die Bemühungen waren erfolgreich; bereits Ende 1967 hatte die Bereitschaft über 100 aktive Mitglieder.

Mit Wirkung vom 01.01.1968 konnte die Bereitschaft Brachttal gegründet werden. In der Ortsvereinigung Vogelsberg blieben beide Bereitschaften Birstein und Brachttal organisatorisch verbunden. Vorsitzender der Ortsvereinigung wurde der langjährige Bereitschaftsführer Heinrich Stühler. Für den im Jahre 1967 verstorbenen Bereitschaftsarzt Dr. Müller wurden Dr. Hartmann (Wüstwillenroth), später im Jahre 1976 die Ärzte Dr. Steinberg und Dr. Hartenstein (beide Birstein), Dr. Blendin und Dr. Beckmann (beide Schlierbach) gewählt.

Fahne der OrtsvereinigungAbb.: 1966 Eine neue Fahne für die Ortsvereinigung

Im Jahre 1969 wählten die Führungskräfte des Kreisverbandes Heiner Kauck zum Kreisbereitschaftsführer des Kreisverbandes. Im Jahre 1971 feierten die Mitglieder und die Bevölkerung das 40-jährige Bestehen der Ortsvereinigung. Höhepunkt der Feier waren eine Ausstellung einer kompletten Sanitätskompanie der Bundeswehr und eine große Katastrophenschutzübung.

Seit 1971 bemühte man sich um den Aufbau der Bergwacht im Raum Birstein. Offiziell wurde die Bereitschaft am 26.01.1973 gegründet. Als Aufgabe hatte die Bergwachtbereitschaft die Mithilfe im Winterrettungsdienst im Vogelsberg und die Förderung des Naturschutzgedankens übernommen.

 

GründungsmitgliederAbb.: 1971 Die Mitbegründer beim 40-jährigen Bestehen: Christian Ehresmann, Heinrich Simon, Heinrich Stühler, Heinrich Bien, Christian Eurich und Heinrich Röth (v.l.n.r)

Neben der Bereitschaft wurde eine aktive Bergwachtjugendgruppe aufgebaut. Jährliche Zeltlager in der Rhön dienten der Vertiefung des Bergwachtgedankens in der Jugend. Verantwortlich für den Fachdienst "Bergwacht" ist Werner Schultheiß. Die Mitgliederzahl liegt bei 14 in der Bergwachtbereitschaft und 30 in der Bergwachtjugend.

 

Schlosskonzert
Abb.: Der Spielmanns- und Fanfarenzug des DRK Birstein beim Sommerkonzert im Birsteiner Schloss der Fürsten von Isenburg

Nach nur kurzer Tätigkeit in den Jahren 1970-1972 musste der gegründete DRK-Spielmannszug seine Tätigkeit wieder einstellen. Der Leiter des Zuges Hans Geschwindner konnte aus gesundheitlichen Gründen die Gruppe nicht mehr betreuen. Neu gegründet wurde der Zug im Jahre 1978, die Leitung des Spielmanns- und Fanfarenzuges übernahm Michael Rentz, Der Zug hat z. Zt. über 100 Mitglieder, davon sind 30 in einer Kinder-Drumband. Die Anschaffung der Musikinstrumente wurde durch großzügige Spenden der Firma Theimer in Birstein-Obersotzbach und vieler anderer Spender ermöglicht. Der Zug leistet mit seinen über 20 Auftritten im Jahr einen erheblichen Beitrag für die Öffentlichkeitsarbeit des DRK.

RathaussturmAbb.: Der Spielmanns- und Fanfarenzug in seiner Landsknechtuniform beim karnevalistischen Rathaussturm im Birstein

Die positive Mitgliederentwicklung der Ortsvereinigung und die verbesserte Materialausstattung machten die Suche nach Unterrichtsräumen und Garagen erforderlich. Zunächst wurden dem DRK im Jahre 1968 von der Gemeinde Birstein zwei Räume im Kindergarten zur Verfügung gestellt.

Die in Birstein stationierten Fahrzeuge waren in verschiedenen Garagen (z.T. nur behelfsmäßig) untergebracht, so dass der Vorstand am 23.06.1969 den Beschluss fasste, ein Rot-Kreuz-Zentrum zu bauen. Architekt Günter Blumöhr übernahm ehrenamtlich die Bauplanung, die Mitglieder waren zur Eigenhilfe bereit und die Gemeinden, der Kreis, der DRK-Kreisverband sowie die Bürger bedachten die Ortsvereinigung mit Spenden und Zuschüssen. Am 10.10.1970 erfolgte die Grundsteinlegung. Der 1. Bauabschnitt, der 3 Garagen umfasste, konnte im folgenden Jahr seiner Bestimmung übergeben werden. Nach Fertigstellung des 2. Bauabschnittes mit einem Unterrichtsraum und verschiedenen Nebenräumen feierten die Mitglieder am 08.06.1974 zusammen mit vielen Ehrengästen die Einweihung des Zentrums. Aber bereits 1978 wird weitergebaut. Der Garagenbau wird um drei Einstellplätze und drei Nebenräume erweitert. Im Rahmen der Rot-Kreuz-Woche im Mai 1980 wurde der Anbau eingeweiht.

Das DRK-Zentrum umfasst einen Unterrichtsraum, drei Geräteräume, einen Gruppenraum, einen Raum für die Rettungswache, eine Küche und eine Garage mit rund 300 qm Stellfläche. In der Garage sind z. Zt. abgestellt:

3 Viertragewagen, 1 Großraumkrankenwagen, 1 Gerätewagen (mit Beleuchtungsgerät), 1 Notstromaggregatanhänger (17,5 kVA), 1 Gerätewagen für den Betreuungszug, 1 Funkkommandowagen, 1 Feldkochherd und an Wochenenden 1 Rettungswagen. In Brachttal-Neuenschmidten stehen dem DRK zwei Räume in der alten Schule zur Verfügung.

DRK Zentrum im RohbauAbb.: 1970 Beginn der Bauarbeiten für das DRK-Zentrum

Mit der Verbesserung der räumlichen Situation erlebte die Ortsvereinigung im Bereich der Ausbildung und der Mitgliederentwicklung einen erheblichen Aufschwung: Die Mitgliederzahl stieg auf 102 Helfer, 56 Helferinnen und 129 fördernde Mitglieder.

DRK-Zentrum Vogelsberg in BirsteinAbb.: DRK-Zentrum Vogelsberg in Birstein

Organisatorisch wurden drei Bereitschaften gebildet, die Bereitschaft in Brachttal, die Bereitschaft in Birstein-Süd und die Bereitschaft in Birstein-Nord. Mit Manfred Scherpf und Inge Kraus in Brachttal, Ekkehard Rolofs und Hildegard Thel in Birstein-Süd sowie Heinrich Hämel in Birstein-Nord steht ein gutes Führungsteam an der Spitze der Bereitschaften.

Schwerpunkte der Arbeit sind: Mitarbeit im Katastrophenschutz (im Raum Birstein-Brachttal sind der 1. Sanitätszug und der einzige Betreuungszug des Main-Kinzig-Kreises stationiert), Mitarbeit im Unfallrettungsdienst, Sanitätsdienste bei vielen öffentlichen Veranstaltungen, Mithilfe beim Blutspendedienst, Altenbetreuung, Ausbildung der Bevölkerung in Erster Hilfe u. a.. Allein für den ehrenamtlichen Unfallrettungsdienst leisten die Mitglieder je Jahr über 5000 Einsatzstunden. Durch diesen Einsatz wird der Unfallrettungsdienst an Wochenenden im Raum Birstein-Brachttal erheblich verbessert, zumal die Anfahrt von der zentralen Rettungswache in Gelnhausen zwischen 20 und 40 km beträgt.

Für die Aus- und Fortbildung sind im Bereich der Ortsvereinigung folgende Ausbilder tätig: ein Sanitätsausbilder, fünf Erste-Hilfe-Ausbilder, je ein Ausbilder für die Betreuung und Unterkunft im Katastrophenfall, zwei Ausbilder für das ABC-Schutzverhalten und eine Ausbilderin für die Krankenpflege in der Familie. Durch die Tätigkeit der Ausbilder wurde der Ausbildungsstand der Helferinnen und Helfer ständig verbessert. Dies zeigte sich in der erfolgreichen Teilnahme an Kreis-, Regional- und Landeswettbewerben in Erster Hilfe und im Sanitätsdienst. Stets belegten Gruppen aus Birstein und Brachttal die vorderen Plätze. Im letzten Jahr erreichte die Gruppe aus Brachttal beim Landeswettbewerb den 5. Platz, den gleichen Platz belegte Birstein im Jahre 1972, nachdem beide Gruppen auf Regionalebene siegten.

Erfreulich waren die Aktivitäten des Jugendrotkreuzes. Sowohl in Brachttal als auch in Birstein bestehen aktive Gruppen unter der Leitung von Karin Roßmanith und Elke Schmidt. Die Mitgliederzahl liegt bei ca. 40 Jugendlichen. Auch hier war eine Vogelsberger Gruppe bei einem Wettbewerb erfolgreich: Im Jahre 1976 wurde Brachttal Hessensieger.

Einsatzübung in SchlierbachAbb.: Einsatzübung in Schlierbach

Beachtenswert in der Geschichte der Ortsvereinigung ist die Entwicklung des Blutspendedienstes. Zum 1. Termin in Birstein im Jahre 1956 kamen 52, zum 1. Termin in Schlierbach 31 Blutspender.

Jährlich wurden jeweils zwei Termine in Birstein und Brachttal durchgeführt. Die Beteiligung stieg allmählich auf rund 100 - 120 in Birstein und auf 60 - 80 in Brachttal. Inzwischen wurden in Birstein drei Termine je Jahr angesetzt mit dem Ergebnis, daß die Zahl je Termin auf über 150 anwuchs. Insgesamt konnten bisher 4.897 in Birstein und 1.707 Blutspenden in Brachttal dem Blutspendedienst Hessen übergeben werden.

Eine Chronik könnte den Umfang eines Buches ausmachen, wenn man alle Hilfen im Großen wie im Kleinen, in der Öffentlichkeit oder auch im Verborgenen darstellen wollte. An den Beispielen kann aber trotz der Unvollständigkeit klar werden, daß der Gedanke tätiger Hilfsbereitschaft trotz aller Strömungen in unserer Zeit ein lebendiger Gedanke ist. Für diesen Gedanken werden wir weiterarbeiten.

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